Gar schröckliche Moritat von der "Botanika"
(1997) Das Tinchen war ein
Frauenzimmer
Und saß in dem Senat.
Sie diente treu und redlich immer
Dem Bürger und dem Staat.
Da kommt aus der Verwaltung
Ein Prahlehans daher,
Der wird mit sehr beschränkter Haftung
Nun Tinchens Chefplanér.
(1998) Die EXPO für das Jahr Zweitausend
Steigt manchem arg zu Kopf.
Wer skeptisch bleibt bei den Prognosen,
Der gilt als armer Tropf.
Es stehen die Millionen
Im Haushalt nur geborgt.
Für Banken fängt sichs an zu lohnen,
Die haben ausgesorgt.
(1999) Der Planer gibt mit vollen Händen
Das Geld für Mumpitz aus.
Der Rechnungshof geht hoch die Wände
Und rüget Saus und Braus.
Mit zwölf Millionen Eiern
Der Vorlauf schlägt zu Buch.
Dem Bürger, dem entringt sich bleiern
Ein kaum bezähmter Fluch.
(2000) Der König Henning schaut verdrießlich.
In der Partei geht's rund.
Jens Böhrnsen wird die Chose schließlich
zu teuer und zu bunt:
"Das Ding rentiert sich niemals.
Der Bürger lehnt es ab.
Lasst uns nur's Nötigste sanieren!"
Meint Böhrnsen kurz und knapp.
(2001) Da schlägt fürwahr die große Stunde
Der Bremer CDU:
Der Dicke dreht die kleine Runde.
Man raunt einander zu:
"Hier geht uns niemand leer aus.
Wir baun 'Botanika'."
Heut weiß in Bremen jede Schermaus,
Dass das ein Reinfall war.
(2003) Man baut zwei Jahr, dann öffnet endlich
Das Pflanzen-Highlight hier.
Erfolg scheint schlichtweg unabwendlich
Bei Schnittchen, Sekt und Bier.
Doch nach nur sieben Wochen
Regt sich kein Lüftlein mehr.
Die Flaute kommt ganz leis gekrochen.
Wo kriegt man Kundschaft her?
(2005) Der erste Leiter schmeißt die Brocken,
Da muss der zweite ran.
Das Publikum ist von den Socken
Und staunt Karnickel an.
Das tollste Marketingel,
Das hebt den Umsatz nicht,
Wenn's wegen Pflanzen-Ruhezeiten
An Blütenpracht gebricht.
(2006) Da wird der Park zum Pfand genommen:
Ein Eintrittsgeld soll her!
Denn sonst wär neben dem öden Eventhaus
Der Rhodopark zu populär.
Doch diese miese Grätsche
Gerät zum Abseitsball.
Der Bürger zeigt die rote Karte:
Der Plan, er kommt zu Fall.
(2007) Da naht potzblitz ein Bausenator
Mit dem Husarenstreich.
Er glänzt mit einem neuen Stifter,
Und der ist ziemlich reich.
Er spendet 10 Millionen.
Der Park zahlt mit den Preis:
Zwei Randgrundstücke solln sich lohnen,
Wie gleich die Presse weiß.
(2009) Millionen in nen neuen Anbau
Tut man nun investiern.
Dem Bürger, der das ganze zahln soll,
Wills Lachen schier gefriern.
Das Ding bleibt bis auf weitres
Ein bodenloses Fass.
Soll noch mehr Park zu Bauland werden?
Ein solcher Deal wär krass.
(2011) 'Entdeckerzentrum' nennt sich mutig,
Was nichts zu bieten hat.
Wer tritt schon gern im öden Drehwurm
Nur Scheibenkleister platt?
Da braucht es Frischmoneten!
Konzepte sind parat.
Die hat Frau Schäffer durchgerechnet
Mit Wurzel und Quadrat.
(2012) In einem finstren Kellerloche
Bei Wasser und bei Brot,
Da sollten manche schwer bereuen
Die schaurige Missetot.
Großspurig war die Planung
Und Zweifel warn nicht schick,
Viel Bockmist ohne leise Ahnung
Und blind die Politik.
(2040) Und die Moral von der Geschichte:
Trau keiner Planung nicht!
Der Krug, der geht so lange zu Wasser,
Bis dass der Henkel bricht.
Der Henkel musste brechen.
Er ist für immer ab
Und unsre Enkel werden blechen
Bis an das kühle Grab.
"Mariechen saß wütend im Garten"